Samstag, 4. Juli 2020

Motion "Einführung Ganztagsschule in Thun"

Die von der glp mit anderen Parteien in Thun eingereichte Motion zur Einführung einer Ganztagesschule wurde am Donnerstagabend vom Stadtrat mit einer klaren Mehrheit überwiesen. Es steht dem Gemeinderat nun frei, die geforderte Reglementsänderung erst mit einem Schulversuch zu erproben und die daraus gewonnen Erkenntnisse in die Formulierung einfliessen zu lassen. Die glp ist sehr erfreut, dass diese Schulform nun auch in Thun entstehen wird.

Die glp hat zusammen mit anderen Parteien eine verbindliche Motion eingereicht, die die Ergänzung des Bildungsreglements um das Angebot einer «Ganztagesschule» fordert. Der Gemeinderat hat sich in seinem Bericht sehr wohlwollend zur Forderung geäussert. Wir sind natürlich sehr freuen, dass wir beim Gemeinderat offene Türen eingerannt sind. Wie wir ist auch der Gemeinderat überzeugt, dass der Bedarf für eine ganztägige integrierte Betreuung ein immer grösseres Bedürfnis ist. Die Entwicklung in Bern und Köniz, wo das Angebot bereits ausgebaut wird, zeigen das auch - weitere werden sicherlich folgen. Und da soll Thun nicht hinten anstehen, sondern das Angebot in Richtung eines Standortvorteil für Familien nutzen.

Es ist auch uns klar, dass dies nicht „gratis“ zu haben ist. Und das nicht nur finanziell, sondern auch in Form von nötigen Abklärungen im Vorfeld. Auch wenn ein entsprechender Artikel im Bildungsreglement nicht „Rocket Science“ ist - das Reglement ist auf relativ hohem Niveau formuliert (vgl. Bsp. Art. 10 zu den Tagesschulen) - braucht es doch ein paar Überlegungen. Wir können dem Gemeinderat also nur zustimmen, dass das Modell, die Kosten, die Örtlichkeiten und noch mehr abzuklären sind.

Trotzdem schlägt der Gemeinderat dem Stadtrat vor, das Anliegen im weniger verbindlichen Form eines Postulates zu überweisen. Dies mit dem Hinweis, dass nur damit die Möglichkeit gegeben ist, erst mit einem Schulversuch die nötigen Abklärungen zu treffen. Wogegen mit einer Motion «... der Gemeinderat dem Stadtrat ohne weitere Abklärungen eine Änderung des Bildungsreglements vorlegen und – würde diese angenommen – anschliessend eine Ganztagesschule einführen» müsste.

Seine Absicht, die Einführung «zu prüfen», geht uns wie den anderen Motionären aber zu wenig weit. Sein Argument, dass bei einer Motion «sofort eine Reglementsänderung» vorzulegen sei und somit keine Zeit für einen Versuch besteht, stimmt nicht. Es gibt im Geschäftsreglement des Stadtrates keine Vorgaben, WIE und bis WANN eine Motion umzusetzen ist. Somit steht es dem Gemeinderat frei, in einer ersten Phase ein Schulentwicklungsprojekt zu lancieren. Wir ermuntern den Gemeinderat sogar, genau dies zu tun. Dort können die nötigen Erkenntnisse gewonnen werden.

Wie bereits erwähnt, ist es für uns auch eine Frage der Verbindlichkeit und des Gewichtes des Anliegens. Für die Wichtigkeit des Themas erachten wir ein Postulat als zu schwach. So schreibt der Gemeinderat weiter oben in seiner Antwort , dass er bereit ist, die „Einführung zu prüfen“. Wie wir aus vielen Beispielen wissen, kann eine solche Prüfung so oder so ausfallen. Bei einer Annahme als Postulat, müssten wir als Stadtrat bei einem abschlägigen Bescheid begründen und beweisen, wieso wir damit nicht einverstanden sind. Und selbst bei einer nicht Entlastung, wäre der Gemeinderat (auch nach den nächste Wahlen) nicht zum Handeln verpflichtet. Als Motion überweisen aber, muss der Gemeinderat uns darlegen, wieso eine Umsetzung allenfalls nicht möglich ist und bleibt bis zur Entlastung in der Pflicht.

Könnte der Gemeinderat aber z.B. nach einem Versuch nachvollziehbar darlegen, dass eine Ganztagsschule nicht die richtige Form ist, dann wäre es nicht die erste Motion, die wir ohne Umsetzung verwerfen. Für einmal wäre diese dann nicht mal ergebnislos, sondern hat aufschlussreiche Resultate gebracht - vielleicht für eine andere (noch innovativere) Schulform.